Der mozart 100 fand dieses Jahr am 18. Juni bereits zum fünften Mal statt. Ultraläufer aus aller Welt reisen jedes Jahr an, um beim mozart 100 die Gegend rund um Salzburg laufend zu erkunden. Für mich war es meine Ultramarathon-Premiere, bei der ich so einiges dazugelernt habe. Mein Ziel habe ich zwar weit verfehlt, aber Aufgeben war für mich keine Option. Diesen einzigartigen Tag werde ich wohl niemals vergessen.

Wettbewerbe und Distanzen

Der mozart 100 bietet unterschiedliche Wettbewerbe an. So gibt es den kompletten Scenic 100 mit über 103km und rund 3.000 Höhenmetern, den Scenic 55 mit gut 56km und 1.600 Höhenmetern sowie den Scenic Light mit 25km und den City Trail in Salzburg mit 11,5km. Bei der Königsdisziplin sind für die 103km zwei Runden zu absolvieren. Die Route führt dabei von Salzburg bis zum Fuschlsee und wieder zurück.

mozart 100
Mit diesem Ausblick wird man nach rund 25km belohnt.

Etwas mehr als ein Marathon

Nachdem ich so viel Positives über den Lauf gelesen und gehört habe, habe ich mich schon letztes Jahr für die Kurzversion von 56km angemeldet. Ich trainiere schon seit einigen Jahren auf die Halbmarathon-Distanz und habe in meinen Trainingsläufen auch immer wieder längere Distanzen über 30km zurückgelegt, aber die Ultramarathon-Disziplin war komplett neu für mich. Daher habe ich mir einen sinnvollen Trainingsplan zusammengestellt, der mich langsam aber sicher über die Ziellinie bringen sollte. Ich bin davon überzeugt, dass diese Distanz für jeden schaffbar ist. Es benötigt nur eine ordentliche Vorbereitung und etwas Disziplin beim Training.

When the mind is controlled and spirit aligned with purpose, the body is capable of so much more than we realize. (Rich Roll)

Spirometrie und Vorbereitung

Im Dezember letzten Jahres habe ich mich zunächst einer sportmedizinische Untersuchung unterzogen, um meine Gesundheit zu checken. Eine Spirometrie zu machen war für mich ebenfalls Neuland und so bin ich während dieser beim Laufen das erste Mal so richtig an meine Grenzen gekommen. Meine Werte waren mit 59 VO2max/kg super gut. Die Ärztin war ebenso über mein Potential überrascht und hat mir direkt empfohlen Triathlet zu werden. Diese motivierenden Worte haben mir geholfen, im doch eher düsteren Winter einen guten Einstieg in das Training zu finden. Meine Triathlon-Karriere lasse ich aber dennoch für einige Zeit beiseite, da mir das Laufen zusammen mit funktionellem Kraftsport einfach am meisten Spaß macht.

Anreise und der große Tag

Nachdem Katharina und ich am Freitag gemeinsam in Salzburg angekommen sind, hat sich leider eine kleine Magen-Darm-Verstimmung bei uns beiden breit gemacht. Keine optimalen Voraussetzungen für einen Wettbewerb. Dennoch schaute ich darauf, möglichst ausgewogen zu essen und alle wichtigen Nährstoffe zu bekommen um fit zu bleiben.

Am Vorabend haben wir uns gemeinsam das Race Briefing angehört und meine Startunterlagen abgeholt. Bald wurde klar, dass es sich um eine mega-gut organisierte Laufveranstaltung handelt: alles sehr familiär und freundlich! Später gab es noch eine große Ladung Kartoffeln und Süßkartoffeln für das obligatorische Carboloading.

Nachdem ich ausgezeichnet geschlafen hatte, mir in der Früh noch einen großen Haferbrei genehmigte und meine Laufausrüstung anlegte, waren auch meine Darmprobleme so gut wie weg. Einem Start beim mozart 100 stand also nichts mehr im Weg! Die Teilnehmer des scenic100 starten bereits um 5 Uhr in der früh, für meine scenic55-Mitstreiter und mich fiel der Startschuss um 09:30 Uhr.

Die ersten Kilometer

Die ersten fünf bis zehn Kilometer waren wir noch eine halbwegs große Gruppe. Ein Blick auf die Laufuhr hat verraten, dass ich doch relativ Flott mit einer Pace unter 06:00 min/km unterwegs bin. Die Strecke verlief sehr gemütlich entlang der Salzsach. Unter den Ultraläufern herrschte eine großartige Stimmung, ganz anders als bei anderen Laufveranstaltungen wie dem Vienna City Marathon. Man hat nicht das Gefühl, in einem Wettkampf zu sein, sondern die Distanz gemeinsam zu bewältigen. Es gab kein Gedränge und eine super entspannte Atmosphäre.

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Die erste Steigung: die Glasenbachklamm.

Ultramarathon heißt auch Gehen

Bei der Glasenbachklamm erwartete uns dann der erste Anstieg. Relativ sanft sammelt man hier in einer wunderschönen Umgebung fleißig Höhenmeter. Ein Ultramarathon unterscheidet sich von anderen Wettbewerben auch darin, dass man zwischendurch entspannt im flotten Tempo geht und genug Zeit hat, die Natur zu genießen. Ich habe zwischendurch auch immer wieder Fotos auf Instagram veröffentlicht. Der mozart 100 war für mich schon ab Kilometer 10 ein Mix aus Laufen und Gehen. Dadurch blieb ich auch erstaunlich fit und munter. Die Hitze war zwar etwas herausfordernd, aber immerhin besser als Regen. Außerdem hatte ich in meinem Salomon S-Lab Sense Ultra Set stets etwas Wasser bei mir.

Der Wendepunkt

Bis nach Fuschl am See sind es einige Kilometer durch wunderschöne Wälder und auch zahlreiche Höhenmeter. Auf den Trails durch die Natur zu laufen hat etwas extrem entspannendes, so fällt es einfach, die Kilometer zu vergessen und den Ausblick zu genießen. Meine Barfussschuhe von Nike waren mir treue Begleiter durch die Natur, da ich so selbst im Gelände über gute Trittsicherheit verfügte.

Kurz vor Fuschl am See bemerkte ich im linken Knie erste Schmerzen, welche ich schon über zwei Jahre nicht mehr hatte. Ich hatte die Höhenmeter offensichtlich total überschätzt und die Monate zuvor zu wenig Bergläufe trainiert. Am Ufer des Sees wechselte ich dann immer häufiger zwischen Laufen und Gehen. Als ich bei der Verpflegungsstation in Fuschl ankam, war ich dennoch guter Laune und sehr zuversichtlich, nachdem ich trotz des Gehens sehr gut in der Zeit war. Bis zu dem Zeitpunkt wär sogar ein Zieleinlauf um etwa sechs Stunden noch drinnen gewesen.

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Der Fuschlsee ist der Wendepunkt für den Scenic 55.

Zurück ins Ziel

Ab dem Wendepunkt musste ich dann leider aufgrund meiner Schmerzen im Knie immer längere Strecken gehen. Viele Läufer, darunter auch Teilnehmer des scenic100 haben mich ab Kilometer 35 überholt. Mein Ziel, unter acht Stunden im Ziel anzukommen, entfernte sich immer weiter. Mental war mir das keine große Hilfe, aber Aufgeben mit einem DNF war für mich einfach nicht drinnen. Ich wollte um keinen Preis im Selbstmitleid versinken und sei es, als allerletztes kriechend im Ziel anzukommen.

Verpflegungsstationen

Am Weg zurück nach Salzburg gab es noch zwei Verpflegungsstationen. Ich kämpfte mich also von einer Verpflegungsstation zur nächsten. Die Verpflegungsstationen bieten übrigens eine grandiose Auswahl an unterschiedlichen Snacks – da ist auf jeden Fall für jeden Läufer etwas dabei! Ich habe zu Obst wie Wassermelonen und Bananen aber auch zu Salzstangen, Tomaten und den veganen Riegeln aus Tirol gegriffen. In meinem Laufrucksack hatte ich außerdem noch einige Lifebar-Riegel von Lifefoods und Cliffbars. Dass man einen eigenen Faltbecher zu den Verpflegungsstationen mitbringen musste, fand ich auch eine tolle Sache. So entsteht deutlich weniger Müll als bei den herkömmlichen Straßenläufen, außerdem kann man auch seine eigenen Flaschen ganz einfach wieder auffüllen.

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Tolle Verpflegung, vieles auch vegan!

Die letzte Qual am Kapuzinerberg

Nachdem meine Polar M400 bei Kilometer 42 ihren Geist aufgab, war es ab dann eher mühsam einzuschätzen, wie weit es noch bis zum Ziel ist. Die Streckenmarkierung war grundsätzlich einwandfrei, ich habe mich kein einziges Mal verlaufen. Die Kilometer-Markierungen waren aber eher rar, was bei einem Ultramarathon natürlich auch zu erwarten ist. Die letzten steilen Anstiege raubten mir meine letzte Motivation und so landete ich schließlich beim Ortsschild von Salzburg und war knapp daran, einfach in den nächstbesten Bus zu steigen.

Schon eine Stunde zuvor dachte ich mir, dass der Kapuzinerberg nicht mehr weit entfernt sein konnte, aber der Weg vom Stadtrand zum letzten Anstieg fühlte sich extra lange an. Die letzten beiden Kilometer führten über 600 Stufen auf den Kapuzinerberg und dann direkt bergab in das Stadtzentrum zum Ziel. Die Stufen waren für mein Knie sehr angenehm, ich hatte kaum Schmerzen, das Bergablaufen war dafür aber die Hölle.

Jeder Schritt war eine Qual, aber die motivierenden WhatsApp-Nachrichten meiner Freundin und meiner Familie sorgten dafür, dass ich die letzten Meter auch noch schaffte. Schließlich war ich wieder im Zentrum und lief den letzten Kilometer ins Ziel. Die Schmerzen waren mir egal, denn das Gefühl 56km (auch gehend) geschafft zu haben war einfach überwältigend. Schließlich landete ich als vor-vor-letzter Teilnehmer des scenic55 nach gut 11 Stunden im Ziel, direkt nach der großen Siegerehrung.

mozart 100
Ein harter Abschluss: der Kapuzinerberg.

Fazit

Der mozart 100 war mit Abstand der am besten organisierte und schönste Lauf, an dem ich bisher teilgenommen habe. Die anspruchsvolle Strecke und die Höhenmeter sollte man nicht unterschätzen, aber das Abenteuer zahlt sich für jeden Naturliebhaber und Trail-Läufer aus! Ich bin nächstes Jahr auf jeden Fall wieder fix dabei und werde mich auch deutlich besser auf die Anstiege und Trails vorbereiten.

mozart 100
Spät aber glücklich im Ziel.

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