In den letzten Jahren hat sich eine Revolution im Gesundheitsbewusstsein entwickelt und so entdecken auch immer mehr Menschen die Vorzüge der Rohkost. Bei Rohkost geht es grundsätzlich darum, dass sämtliche Nahrungsmittel möglichst frisch und naturbelassen verarbeitet werden. So wird auch der immer wieder ausgesprochenen Empfehlung mehr Obst und Gemüse zu essen nachgegangen. Ich selbst habe diese Ernährungsform für einige Monate strikt befolgt und die zahlreichen Vorteile erlebt. Was genau steckt hinter dieser Ernährungsform und was kann man sich von der rohen Ernährung erwarten? Kann das überhaupt gesund sein und im Alltag funktionieren?

Die magische 42 Grad-Grenze

Von Rohkost spricht man dann wenn die Lebensmittel nicht über 42 Grad erhitzt werden. Anhänger der Rohkost gehen davon aus, dass beim Erhitzen von Mahlzeiten wertvolle Nährstoffe verloren gehen. Fest steht: Unverarbeitete Lebensmittel bieten viele Vorteile, da sie weit aus mehr Vitamine, Nährstoffe, Spurenelemente und Enzyme enthalten. Manche Rohköstler nehmen auch tierische Produkte wie Rohmilchkäse, Eier oder rohes Fleisch zu sich. Der Großteil ernährt sich aber nur von pflanzlichen Produkten und pflegt somit einen veganen Lebensstil.

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Wer sich für eine rohköstliche Ernährung entscheidet, muss seine Ernährung je nach Vorgeschichte sehr stark umstellen. Veganern fällt dieser Schritt meistens leichter, da sie in der Regel bereits sehr viel Obst und Gemüse am Speiseplan stehen haben. Pasteurisierte Produkte und alle möglichen erhitzten Produkte sind keine Rohkost und werden durch kreative und meist auch sehr gesunde Speisen ersetzt.

Fit und schlank

Bei einer rohköstlichen Ernährung muss man für gewöhnlich keine Kalorien zählen, da die Lebensmittel zwar viel Energie aber wenig Kalorien haben. Besonders Gemüse und Greens sind Kraftpakete mit wenig Kalorien. Obst ist zwar kalorienreicher, liefert aber jede Menge Energie in Form von Kohlenhydraten. Lediglich Nüsse und Fette sind sehr kaloriendicht und werden somit in einer ausgewogenen Rohkost-Ernährung auch sparsam verwendet.

Ein weiterer Vorteil von Rohkost ist der natürlich hohe Wasser- und Ballaststoffgehalt der Mahlzeiten. Man fühlt sich so durch die Rohkost-Suppen, Salate und Smoothies sehr gut gesättigt. Der Körper ist so außerdem rund um die Uhr wunderbar hydriert. Wer abnehmen möchte profitiert von den Ballaststoffen in den unverarbeiteten Lebensmitteln, da so der Appetit verringert und die Verdauung in Schwung gebracht wird.

Ohne Diät zum Idealgewicht

Kaum ein Rohköstler würde seine Ernährungsweise als Diät bezeichnen. Oftmals wird zwar eine Rohkost-Kur zur „Entgiftung“ (Detox) eingesetzt aber grundsätzlich handelt es sich bei Rohkost eher um einen Lebensstil als um eine restriktive Diät mit vordefinierten Abnehmzielen. Allerdings gelangt man mit einer rohköstlichen Ernährung viel einfacher zum persönlichen Idealgewicht. Dadurch, dass viele überflüssige Kalorien und nährstoffarme Lebensmittel wegfallen, reguliert sich der Körper langfristig wie von selbst.

Sobald wir im Einklang mit der Natur und mit uns selbst sind, wird sich auch das Körpergewicht in Richtung Idealgewicht bewegen (egal ob nach oben oder nach unten). Überflüssige Fettdepots verschwinden bei einer ausgewogenen Rohkost-Ernährung wie von selbst und dabei muss man nicht einmal Kalorien zählen.

Mehr Energie durch Rohkost

Wer sich für einige Zeit mit einem höheren Rohkostanteil ernährt, wird sehr schnell einen Energieschub verspüren. Die Mahlzeiten sind schneller verdaut als hochverarbeitete oder gekochte Speisen. Rohkost ist nährstoffreicher und außerdem auch sehr reich an wertvollen Enzymen welche für unsere Verdauung und den Stoffwechsel sehr wichtig sind. Die Vitamine, sekundären Pflanzenstoffe und Nährstoffe in der Rohkost und vor allem in den Wildkräutern stärken das Immunsystem und versorgen den Körper mit natürlicher Energie.

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HCLF und Rohkost

Da wir immer wieder auf High Carb Low Fat (HCLF) verweisen und auch viele Rezepte entsprechend diesem Ernährungskonzept anbieten, stellst du dir jetzt vielleicht die Frage wie Rohkost und HCLF zusammenpassen. Nach unserem Verständnis einer High Carb Low Fat Ernährung bedeutet es, den Kohlenhydratanteil so groß wie möglich und den Fettanteil so gering wie möglich zu halten.

Zudem sollte man bei High Carb Low Fat anstreben, so viele unverarbeitete und natürliche Lebensmittel wie möglich in seine Ernährung einzubauen. Daher ist typischerweise auch der Rohkostanteil bei einer HCLF-Ernährung sehr hoch. Grüne Smoothies, Nicecream und viele andere Speisen sind oft komplett oder großteils rohköstlich.

Basis-Lebensmittel in der Rohkost

Bei einer rohköstlichen Ernährung sollte man besonders auf eine abwechslungsreiche Ernährung achten, ganz nach dem Motto „Eat the Rainbow„. Nachfolgend findest du die großen Basis-Lebensmittel und ein paar dazu passende Beispiele:

  • Gemüse (Tomaten, Zucchini, Gurken und Paprika)
  • Greens (Grünkohl, Rucola, Löwenzahn und Blattsalate)
  • Sprossen (Mungobohnen, Linsen, Quinoa und Kichererbsen)
  • Getreide und Pseudogetreide (Hafer, Dinkel, Buchweizen und Weizen)
  • Samen und Nüsse (Hanfsamen, Leinsamen, Chiasamen, Mandeln und Walnüsse)
  • Algen (Dulse, Wakame, Nori, Spirulina und Kelp)
  • Wildkräuter und Superfoods (Maca, Gojibeeren, Kokosöl, Brennnesseln und Vogelmiere)
  • Fermentierte Produkte (Kombucha, Miso, Sauerkraut und Joghurt)

Ist 100% Rohkost gesund?

Ich persönlich habe mit Rohkost sehr unterschiedliche Erfahrungen gemacht. Nach einigen kurzzeitigen Ausflügen in die Rohkost habe ich mich mit dem Jahresbeginn 2015 für einige Monate strikt rohköstlich ernährt. Begonnen habe ich mit zwei Wochen Saftfasten sowie einem ausgedehnten Sport- und Regenerationsprogramm. Ich wurde sehr schnell überschüssige Kilos los und fühlte mich zu Beginn auch sehr energiegeladen. Was ich allerdings immer wieder feststellen musste war dass ich „hochverarbeitete“ Gourmet-Rohkost wie ausgefallene Wraps und aufwendige Rohkosttorten nicht gut vertrage.

Derartige Gourmet-Rohkostspeisen sind oftmals schlecht kombiniert und (zumindest für mich) schwer verdaulich. Da so meine Verdauung und auch meine Stimmung beeinträchtigt wurden habe ich mich entschieden, mich von den strengen Regeln der Rohkost zu verabschieden und die Rohkost vielmehr als Bereicherung für meine vegane Ernährung zu betrachten.

Selbstverständlich kann man auch auf die Gourmet-Speisen der Rohkost verzichten und sich so sehr naturbelassen ernähren. Für mich persönlich war das aber mit meinem Alltag nicht vereinbar, da ich mir keinen zusätzlichen Stress machen wollte. Außerdem wollte ich auch beim Auswärtsessen nicht auf die köstliche und vielfältige Auswahl an veganen Speisen verzichten. Ein weiterer Punkt war das Reisen, das für mich auch eine große Hürde beim Rohkost-Lifestyle darstellte.

Viele Menschen in Mittel- und Nordeuropa haben außerdem ein Problem damit, sich in der kalten Jahreszeit rein rohköstlich zu ernähren. Daher wird die Rohkost oftmals um gedämpftes Gemüse, Kartoffeln und Suppen ergänzt. In südlichen Ländern, wo auch viele frische und reife Früchte regional verfügbar sind, ist die Rohkost auf jeden Fall um ein Vielfaches leichter umzusetzen.

Unabhängig von den unterschiedlichen Ansichten zur Rohkost, ist unverarbeitetes Obst und Gemüse immer eine gute Idee und eine gesunde Alternative zu hochverarbeiteten Nahrungsmitteln. Zudem sind natürliche Lebensmittel für die meisten Menschen viel besser verträglich. Ich starte heute daher so gut wie jeden Tag rohköstlich mit einem (grünen) Smoothie. Außerdem steht bei mir sehr viel unverarbeitetes, frisches Obst und Gemüse in Bio-Qualität auf dem Speiseplan. Zu Mittag esse ich auch oft einen großen, grünen Salat. Am Abend darf es dann aber schon mal eine deftig-gekochte vegane Mahlzeit sein.

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