Die Deadline rückt immer näher und der Stapel an Arbeit wird nicht weniger – kennst du das auch? Nicht selten beschäftigen wir uns dann mit unnötigen Ablenkungen wie den neuesten Instagram-Postings oder dem Aufräumen der Wohnung. Manchmal sind es auch kleinere Aufgaben wie die Steuererklärung, die wir lange vor uns herschieben, weil sie uns einfach unangenehm sind. Es gibt kein Geheimrezept gegen Prokrastination, aber geplante „Mini-Prokrastinationen“ können helfen, unangenehme Dinge zeitgerecht zu erledigen. Wir zeigen dir, wie!

Warum prokrastinieren wir?

Unter „Prokrastination“ versteht man grundsätzlich das Aufschieben von Arbeit bzw. Aufgaben. Wenn du hin und wieder unangenehme Dinge aufschiebst oder deine Arbeit unterbrichst und du nicht darunter leidest, dann liegt es wahrscheinlich an deiner Prioritätensetzung. Nur 1,5% der Studenten geben übrigens an, gar nicht aufzuschieben. Du bist also keinesfalls alleine!

Neue Gewohnheiten

Wenn du einsiehst, dass du deine Aufgaben grundlos immer wieder verschiebst oder unterbrichst, hast du bereits den ersten Schritt getan. Jetzt musst du „nur“ dein Verhalten ändern und langfristig eine gute Gewohnheit daraus machen. Du könntest zu einer „Zeitmanagement“-Methode wie der Pomodoro-Technik greifen oder aber deine Prokrastination strukturieren und vorausplanen.

Strukturierte Prokrastination

Der Philosophie-Professor John Perry aus Stanford prägte bereits 1995 den Begriff „strukturierte Prokrastination„. Die Idee dahinter ist, dass wir einfache Aufgaben eher schwierigen Aufgaben bevorzugen. Der Trick liegt nun darin, die einfachen Aufgaben auf der To Do-Liste nach oben zu schieben und die schwierigen, wichtigen Aufgaben nach unten. Das mag auf den ersten Blick eigenartig und unschlüssig wirken. Wenn wir jedoch zu dem Punkt kommen, wo wir Dinge aufschieben, gelangen wir zu den eigentlich wichtigen Aufgaben. Und so sollen wir Professor Perry zufolge unsere Aufschieberitis verhindern.

Prokrastination planen

Was aber wenn du jene Aufgaben, die du gerne verschiebst, gar nicht auf einer To Do-Liste hast? Oder wenn du gar nicht zu den Aufgaben am Ende der Liste kommst? Dann gibt es einen anderen, vielversprechenden Weg. Charles Duhigg empfiehlt, Prokrastination im Voraus zu planen.

Sobald wir uns ständig jene Aktivitäten, die wir anstatt der wirklich wichtigen Aufgaben nachgehen, verbieten, gelangen wir irgendwann in eine Abwärtsspirale, in der die Versuchung einfach zu groß ist. Wenn du also anstatt der Steuererklärung ständig durch Facebook scrollst und es dir dann strengstens verbietest, wirst du schlussendlich erst recht wieder mit einer nicht erledigten Steuererklärung und einem stundenlangen Facebook-Manöver enden. Und genau aus diesem Grund hatte Charles Duhigg die Idee, das Prokrastinieren aktiv zu planen. Dabei kannst du auf zwei einfache Methoden zurückgreifen.

Methode 1: Große Zeitblöcke für Prokrastination

Du kannst dir jeden Tag zwei bis drei große Zeitblöcke reservieren, um zu prokrastinieren. Gute Zeitpunkte sind dafür nach dem Mittagessen, nach dem „Nachmittagstief“ und eventuell zusätzlich am Abend. Eine halbe Stunde sollte dabei jeweils reichen. Stell dir einfach eine Erinnerung oder richte dir einen Termin für diese aktive Auszeit ein. In dieser Zeit kannst du alles machen, worauf du Lust hast: egal ob das Kaffee trinken, soziale Netzwerke durchforsten oder die Wohnung putzen ist. Achte aber darauf, in dieser Zeit zu Beginn nicht zwanghaft etwas „Sinnvolles“ wie beispielsweise Meditieren, Dehnen oder Lesen zu machen. Außer du gehörst zu den Menschen, die genau dieser Aktivitäten anstatt der eigentlichen To Do-Liste nachgehen.

Methode 2: Kleine Pausen für Prokrastination

Anstatt dir größere Zeitblöcke zu reservieren, kannst du dir auch kleine Pausen von fünf bis 10 Minuten genehmigen. Diese kleinen Pausen kannst du entweder zu jeder Stunde, nach einer abgeschlossenen Aufgabe oder zu fixen Zeiten einlegen. Für viele Menschen ist es einfacher, die Pausen flexibel zu halten. Wichtig ist dabei nur, dass du die zuvor festgelegte Zeitspanne für diese Pausen einhältst. So kannst du auch immer, wenn du das Bedürfnis hast, deine Arbeit „geplant“ unterbrechen und anschließend mit neuer Energie fortfahren.

Mehr Produktivität durch Pausen

Es ist eigentlich kein Geheimnis, dass regelmäßige Pausen wichtig sind, um leistungsfähig und produktiv zu bleiben. Genau wie im Sport benötigt auch unser Gehirn regelmäßige Regenerationsphasen. Sobald du aber bewusst diese Pausen nimmst und dir auch einen zeitlichen Rahmen dafür festlegst, kannst du während des Tages mehr erledigen als wenn du unstrukturiert vor dich hin aufschiebst und schlussendlich durch das viele Prokrastinieren erst recht gestresst bist.

Prokrastination als Arbeitsstörung

Wer regelmäßig und unter großen Leidensdruck Aufgaben immer wieder verschiebt oder unterbricht, kann unter einer ernsthaften Arbeitsstörung leiden. Wenn du daher unter dem Aufschieben leidest, solltest du auf jeden Fall einen Arzt oder Psychologen aufsuchen und das abklären. Die Grenze zwischen „normalen Aufschieben“ und einer Arbeitsstörung ist sehr unscharf. Daher lohnt es sich im Zweifelsfall immer, Hilfe aufzusuchen. Denn selbst das beste Zeitmanagement-Seminar kann in so einem Fall nicht weiterhelfen.

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